Kurzmeldungen aus Nikaragua ------------------

Regierung entlässt 35 Ärzte

Wie aus verlässlicher Quelle verlautete, wurden in Nika-ragua zuletzt 35 Ärzte von der Regierung entlassen, weil sie Menschen behandelt hatten, die bei Demonstrationen gegen die Herrschaft von Daniel Ortega verletzt wurden. Kubanische Ärzte sollen die Entlassenen ersetzen. Eine illegale Besetzung privater Grundstücke - toleriert oder sogar initiiert von korrupten Beamten - gibt es jetzt auch außerhalb der Miskito- und Mayangna-Gebiete an der Ostküste. Die wirtschaftliche Lage wird immer kritischer. Der Staatshaushalt wurde drastisch gekürzt, vor allem im Gesundheits- und Bildungsbereich. Da Zuschüsse und Kredite aus dem Ausland an die Einhaltung humanitärer und demokratischer Standards geknüpft sind, fehlt der Regierung jetzt das Geld. Die Unsicherheit unter den Menschen wächst. Tausende Einwohner von Nikaragua flüchten ins Ausland. Foto: Grenze nach Honduras.

Steadman Bent heimgegangen

Am 3. Juli 2018 wurde in Bluefields, Nikaragua, der Pfarrer und frühere Superintendent (Vorsitzender der Kirchenleitung) der Brüdergemeine in Nikaragua, Steadman Augusto Bent Omier, im Alter von 85 Jahren nach kurzem Krankenlager heimgerufen. Er diente sowohl in Gemeinden an der südlichen als auch an der nördlichen Atlantikküste von Nikaragua. Mehrere Jahre verbrachte er aus politischen Gründen in einem Pfarramt in den USA. Vor seinem Ruhestand war er eine Zeit lang Bildungsminister in der Regionalregierung. Noch im hohen Alter bekleidete er für die »Frente Sandinista de Liberación Nacional« (FSLN) das Amt eines Regionalrates in der »Región Autónoma de la Costa Caribe Sur«. Sein Begräbnis fand am 5. Juli 2018 in Bluefields statt.

Nikaragua - neue Opfer der Unruhen

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt dauern die am 22. April 2018 ausgebrochenen schweren Unruhen in Nikaragua bereits sechs Wochen an. Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass Demonstranten bzw. Regimekritiker zu Tode kommen oder verschwinden. Die Bemühungen, unter Vermittlung der Katholischen Kirche an einem »Runden Tisch«, besetzt mit je drei Vertretern der Regierung und der Zivilgesellschaft, den Konflikt zu entschärfen, sind vorerst gescheitert. Die Zivilgesellschaft macht mit Demonstrationen sowie mit Straßensperren auf ihre Forderungen aufmerksam. Zu ihren Forderungen gehört der Rücktritt von Präsident Daniel Ortega und seiner Getreuen. Die Brüdergemeine an der Ostküste des Landes ist von den Unruhen bisher wenig betroffen. Eine deutsche Presseschau hier.

Neue Schule in Musawas wächst

In Nikaragua nimmt die neue Schule der Brüdergemeine in Musawas immer mehr Gestalt an. Inmitten einer grünen Umgebung ist das hölzerne Schulgebäude einfach konstruiert. Musawas, ein Mayangna-Dorf, ist sehr abgelegen und am besten über den Rio Waspuk per Boot zu erreichen. Eine Brüdergemeine gibt es hier seit den 1920iger Jahren. Schon damals stellen die Herrnhuter sich der Herausforderung, die indigene Bevölkerung zu alphabetisieren. Dass jetzt in Musawas mit Unterstützung der Herrnhuter Missionshilfe und vor allem der »Losungsspende« eine neue Schule entsteht, freut Alt und Jung. Mit Landwirtschaft, Jagd und Fischerei verdienen die Menschen hier etwa 300 US-Dollar monatlich, was ihnen nicht erlaubt, den Schulbau allein zu finanzieren. Wohl aber bringen sie ihre Arbeitskraft ein. Spenden sind hier möglich.

TV würdigt Kirchengeburtstag in Nikaragua

Die Brüdergemeine in Nikaragua ist eine sehr feierfreudige Kirche. Sie versteht es nicht nur, runde Kirchenjubiläen festlich zu begehen, sie war kürzlich auch in der Lage, aus dem 169. Jahrestag der Ankunft der ersten Herrnhuter Missionare ein Event zu machen. So geschehen in Bluefields an der südlichen Atlantikküste am 14. März 2018. In einem Bericht dazu heißt es: »Pionierkirche an der nikaraguanischen Karibikküste ist die Brüdergemeine. In den Jahren nach 1849 hat die »Iglesia Morava« eine lobenswerte Arbeit aufgebaut. Sie stärkte die Menschen zu allen Zeiten nicht nur durch Gottes Wort, sondern auch durch zahlreiche Aktivitäten in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Und sie ist Trägerin einer interkulturellen ökumenischen Arbeit«. Ein TV-Sender in Nikaragua sendete einen dreieinhalbminütigen Kurzbericht. Download hier.

Lage im Regenwald eskaliert

In Wilu am Oberlauf des Waspuk (Foto mit Pfarrhaus) im tropischen Regenwald von Nikaragua, einem Mayangna-Dorf, in dem fast sämtliche Bewohner der Brüdergemeine angehören, ist der Konflikt zwischen Indigenen und eindringenden Siedlern aus dem Westen vor kurzem eskaliert. Bei bewaffneten Kämpfen sollen mindestens sieben Kolonisten ums Leben gekommen sein. Die Einwohner von Wilu zogen sich nach zwei Gefechten, abgesehen von einem etwa 30köpfigen Dorf-Verteidigungs-Trupp, in die nahen Wälder und Berge zurück und sind jetzt provisorisch zumeist in der Schule von Musawas untergebracht. Sie baten um Fürbitte sowie um Lebensmittel und Medikamente. Inzwischen ist den Indigenen der Überblick über die besetzten Orte und die Zahl der Kolonisten verlorengegangen. Durch das Mayangna-Gebiet sind Pfade geschlagen worden, um weitere Invasionen vorzubereiten. Mehr Bilder hier.

Mayangnas halten erneut illegale Siedler fest

Erneut haben Mitglieder der Leitung von Sauni As, eines Territoriums der indigenen Mayangnas im Nordosten von Nikaragua, Menschen in Gewahrsam genommen, die als Siedler illegal ins gemeinsam genutzte Land gekommen waren. Es handelt sich um acht Männer zwischen 24 und 36 Jahren, die im Herzen des UN-Biosphärenreservates »Bosawas« bei Rodungs- und landwirtschaftlichen Arbeiten angetroffen wurden. Die Mayangna-Führer sprachen sich gegenüber der Presse (siehe hier) dafür aus, die illegalen Siedler diesmal nicht den staatlichen Behörden zu übergeben, sondern sie vor ein Gericht zu stellen, das aus Vertretern der 19 vom Landraub betroffenen Dörfern in der Region Sauni As besteht. Man wolle zum Schutz des Mayangna-Eigentums nicht zu den Waffen greifen, aber man wolle Gerechtigkeit.

»Collegio Moravo« sehr erfolgreich

Gleich mehrere Jungen und Mädchen sowie zwei Mannschaften aus dem »Collegio Moravo Secundo« der Brüdergemeine in Bluefields (Nikaragua) waren vom 20. bis 26. August 2017 bei den VI. Zentral-Amerikanischen Schülerspielen in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, erfolgreich. Sie errangen sowohl Gold-, als auch Silber- und Bronzemedaillen im Basketball, Schwimmen, Judo und Taekwondo. Die nicaraguanische Delegation bestand aus 288 Personen, darunter 184 junge Athletinnen und Athleten. Die anderen Delegationen, zusammen knapp 1.200 Personen, kamen aus Belize, Costa Rica, El Salvador, Honduras, Nikaragua und Panama. Sie bestritten Wettkämpfe in den Disziplinen Baseball, Basketball, Fußball, Judo, Karate, Leichtathletik, Ringen, Schach, Schwimmen, Taekwondo, Tischtennis und Volleyball.

Schuljahresende im »Collegio Moravo«

Zum Schuljahresende gab es im »Collegio Moravo«, der Grund- und Sekundarschule der Brüdergemeine in Bluefields an der südlichen Atlantikküste Nikaraguas, allerlei besondere Aktivitäten. U. a. feierten die Unterstufenklassen den Internationalen Kindertag. In der Schule wurden an diesem Tag köstliche Süßigkeiten angeboten, die die Kinder zuvor gebacken hatten. Schon zur Tradition geworden ist das Engagement der größeren Schulkinder im Blick auf technischen Ausstellungen bzw. Vorführungen. Diesmal gab es auf dem Schulgelände eine Präsentation dessen, was im wissenschaftlich-technischen Unterricht während des Schuljahres erarbeitet wurde. Das »Collegio Moravo« ist die älteste weiterführende Schule in ganz Ost-Nikaragua.

Botschafterin überreichte Büchergutscheine

Die Schülerinnen und Schüler des »Collegio Moravo Secundaria« in Bluefields im Südost-Nikaragua hatten im vergangenen Herbst an einer karibischen »Messe der Meister von morgen« teilgenommen, mit der vor allem technische, künstlerische und kommerzielle Talente gesichtet und gefördert werden sollen. Am 3. Januar 2017 waren die Preisträger und Preisträgerinnen, darunter auch einige aus dem »Collegio Moravo«, der ältesten weiterführenden Schule an der Costa Atlantica, zusammen mit ihren Angehörigen in nach Managua eingeladen worden. In der Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Nikaragua überreichte ihnen die Botschafterin Uta König jeweils ein Zertifikat sowie einen Gutschein zum Kauf neuer Bücher.

Jetzt fehlt nur noch die Sendelizenz

Er befindet sich zwar schon seit einigen Wochen im gelegentlichen Probebetrieb, jetzt aber soll er seinen Betrieb auch offiziell aufnehmen. Die Rede ist vom Rundfunksender der Brüdergemeine im Gebiet der Mayangnas im Nordosten von Nikaragua. Die erforderliche Technik wurde im Pfarrhaus installiert. Ein kompetenter Fachmann, der Rundfunktechniker Jens-Peter Staebe aus Hamburg, war dazu eigens dazu in den tropischen Regenwald gereist. Die Einwohner von Sauni As und Umgebung warten schon sehnsüchtig darauf, »ihren« Sender zu empfangen. Initiator und Förderer des Projektes sowie maßgeblicher Helfer beim Fundraising war Ulrich Epperlein, der jetzt mit seiner Ehefrau Olga in Nikaragua im tätigen Ruhestand lebt. Die Mayangnas danken allen, die sich für das Projekt eingesetzt haben.

2. Auflage des Mayangna-Gesangbuches

Seit Sommer 2006 besitzen die indigenen Mayangnas, die vor allem im Osten und Nordosten Nikaraguas siedeln, ein Gesangbuch in ihrer eigenen Sprache. Die Herrnhuter Missionshilfe hatte damals 38.000 US-Dollar zur Herstellung und zum Druck von 2.500 Exemplares beigetragen. Diese 1. Auflage des Gesangbuches ist inzwischen vergriffen; ein Zeichen dafür, wie sehr das Gesangbuch sich bewährt und den Gemeindegesang befruchtet hat. Das Erscheinen einer durchgesehenen 2. Auflage ist nun ein Stück weit näher gerückt, denn das nordamerikanische »Board of World Mission« der Brüdergemeine hat die Neuauflage mit 6.000 US-Dollar gefördert. Die Mayangna-Sprache ist seit vielen Jahren eine vom Aussterben bedrohte Sprache. Foto: Demonstration zur Erhaltung der Mayangna-Sprache.

Schülerinnen aus Bluefields siegten

In Bluefields an der südlichen Atlantikküste Nikaraguas betreibt die Brüdergemeine das »Collegio Moravo«, eine beliebte Sekundarschule, die als älteste weiterführende Schule an der Costa Atlantica gilt. Eine ganze Reihe von Schülerinnen und Schüler beteiligte sich unlängst an einem beliebten Wettbewerb in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik, vergleichbar dem deutschen und europäischen Ausscheid »Jugend forscht«. Der Wettbewerb soll der Entdeckung und Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dienen. Sechs erfindungsreiche Mädchen aus dem »Collegio Moravo« errangen 2016 bei diesem Wettbewerb, der in den beiden östlichen autonomen Republiken Nikaraguas ausgetragen wurde, mit ihrem Projekt den ersten Platz und empfingen daraufhin viele Glückwünsche.

Unterstützung für die Arbeit von ADSIM

»Asociación Desarrollo Social de la Iglesia Morava en Nicaragua« (ADSIM) ist der Name des Sozialwerks der Brüdergemeine in Nikaragua, das von Medlan Manuel López geleitet wird. Zu ADSIM gehören landwirtschaftliche Projekte an der »Costa Atlantica«, ein großes, ambulantes Trinkwasserversorgungs-Projekt sowie mehrere Polikliniken im ländlichen Bereich samt einer Klinik in Managua. Eine wichtige Poliklinik zur Versorgung von 3.000 indigenen Miskitos befindet sich in Siksayari am Rio Coco, ein Zentraldorf an der Grenze zu Honduras, das nur mit kleinen Booten zu erreichen ist. Die Herrnhuter Missionshilfe hat beschlossen, die medizinische Arbeit von ADSIM (Medizin-Einkauf, Zuschuss zu den Arztkosten) in den kommenden drei Jahren mit jeweils 4.000 US-Dollar zu unterstützen.

Großer Kirchenführer heimgegangen

Nach insgesamt 43 Jahren im Dienst der Brüdergemeine ist am 20. Juni 2016 in Bluefields (Südost-Nikaragua) der nikaraguanische Kirchenführer Orlando Palmerston Budier Sinclair heimgegangen. Sein Begräbnis fand am 25. Juni 2016 in der vollbesetzten Kirche der Brüdergemeine »Bluefields-Central« statt. Er hinterlässt neben seiner Ehefrau acht Kinder, 27 Enkel und noch mehr Urenkel. Die Provinz Nikaragua trauert um einen leidenschaftlichen Prediger, wertvollen Ratgeber und treuen Seelsorger, der als Pfarrer in El Rama, Kukra Hill, Bluefields (23 Jahre), Corinto, Tasbapounie und Greytown diente. Bevor er in den Dienst der Brüdergemeine ging, arbeitete er als Schriftsetzer und Journalist und betreute nebenher ehrenamtlich mehrere Landgemeinden (El Cocal, Río Maíz, San Juan del Norte, El Delta, La Barra del Colorado). Mehr Bilder hier. Ein Zeitungsartikel hier.

Herrnhuter Radio im Mayangna-Gebiet

In Musawas (Nikaragua) gibt es jetzt einen Herrnhuter Rundfunksender. Er hat seinen provisorischen Sitz im Pfarrhaus der Brüdergemeine und strahlt Sendungen für das Territorium ab, in dem meist Mayangnas leben. Der Sender verfolgt mehrere Ziele: a) Verbesserung der kommunalen Kommunikation zwischen den 18 Dörfern; b) Weitergabe der Frohen Botschaft; c) Förderung der Kultur der Mayangnas; d) Erhaltung der Sprache der Mayangnas; e) Produktion pädagogischer Sendungen; f) Mitwirkung bei der Erhaltung des Ökosystems. Das Projekt, das bis Ende 2016 weiter aufgebaut werden soll, versteht sich als kirchliches Projekt, ist sich aber seiner politischen Nebenwirkungen bewusst. So klingt der Chor der Brüdergemeine Musawas - Download hier.

Evakuierungsübung in Bluefields

Wie fast ganz Mittelamerika ist auch Nicaragua sehr erdbebengefährdet. Die Gründe für die seismischen Aktivitäten liegen im Pazifischen Ozean. Hier schiebt sich die Cocos-Erdplatte unter die Karibische Platte. Die letzten verlustreichen Erdbeben in Nikaragua ereigneten sich in den Jahren 1972 und 1992. Um der möglichen Katastrophe nicht unvorbereitet ausgeliefert zu sein, fand am 14. Februar 2016 im »Colegio Moravo«, der Sekundarschule der Brüdergemeine in Bluefields, eine groß angelegte Evakuierungsübung statt. Binnen drei Minuten gelang es, das gesamte Schulgebäude zu räumen und die über 500 Schülerinnen und Schüler in Sicherheit zu bringen. Im Anschluss an die Übung wurden Lernende und Lehrende von Fachleuten über das richtige Verhalten bei Erbeben und Folgeschäden informiert.

Widerstand gegen das Kanal-Projekt

Er soll 200.000 Menschen Arbeit verschaffen, er soll die Wirtschaft ankurbeln, er soll dreimal so lang (278 km), doppelt so breit und doppelt so tief werden wie der Panama-Kanal - der seit 2013 in Planung befindliche Nikaragua-Kanal. Und dennoch regt sich Widerstand gegen das Mega-Projekt (50 Mrd. US-Dollar), zu dem noch zwei Tiefseehäfen, der größte Airport Mittelamerikas, eine Autobahn sowie mehrere Städte und Industrieparks gehören. Kritiker weisen auf massive Enteignungen und Vertreibungen, irreparable Umwelt- und Kulturschäden sowie riesige Vermögensabflüsse ins Ausland, vor allem nach China, hin. Die geplante Kanal-Route führt zu 52 Prozent über traditionelles Land der Indigenen (120.000 Menschen in 282 Siedlungen), für das besondere Schutzrechte existieren. Die Regierung versprach, dass die Kanalgesellschaft alle natürlichen Ressourcen nutzen darf, die für das Projekt gebraucht werden. Mehr Bilder hier.

Von der Synode 2016 in Sisin

An der Synode der Unitätsprovinz Nikaragua vom 24. bis 31. Januar 2016 in Sisin nahmen mehr als 400 Delegierte teil. Diese befassten sich mit dem Problem des Landverlustes der indigenen Miskitos und Mayangnas, mit der Notwendigkeit, mehr Ressourcen für die kirchliche Bildungsarbeit zur Verfügung zu haben, mit anstehenden Änderungen der Kirchenordnung (Synodalperiode z. B. nun 4 statt 3 Jahre) und mit der Wahl Joseph Riveras zum neuen Superintendenten.

Unruhen am Autonomie-Gedenktag

Die Feierlichkeiten, die von der sandinistischen Regierung in Managua anlässlich des 28. Jahrestages der Autonomie der nikaraguanischen Ostküste angesetzt worden waren, sind in der Regionalhauptstadt Bilwi (Puerto Cabezas) in Gewalt umgeschlagen. Am Rande eines Trauermarsches, zu dem die indigene YAMATA-Partei aufgerufen hatte, kam es am 30. Oktober 2015 zu einem Toten und vielen Verletzten, darunter die Bürgermeisterin von Bilwi, Mitglied der Brüdergemeine. Die Indigenen sind mit der Umsetzung der gewährten Autonomie nicht zufrieden. Sie sehen ihre Lebensgrundlagen durch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen mehr und mehr zerstört. Derzeit gehe es an der Ostküste zu wie im »Wilden Westen«; jeder tue, was ihm einen Vorteil bringe. Mehr hier.

Landraub bedroht Ernährungssicherheit

Der Landraub in den Gebieten der Miskitos und Mayangnas in Nikaragua durch Siedler aus dem Westen hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass die Ernährungssicherheit bedroht ist. Zum wiederholten Maße kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Fremden, jetzt mit 21 Verletzten. Besonders gespannt ist die Lage im Gebiet von Wanky Twi, Waspam und Tasba Raya. Im Gebiet von Musawas mit der Gemeine Bethlehem sind mittlerweile 200 Siedlerfamilien mit 800 Personen sesshaft geworden. Immer mehr Indigene könnten ihre Felder nicht mehr bestellen und ihre Wälder nicht mehr bewirtschaften, betonte Brooklyn Rivera, Präsident der Kommission für indigene Angelegenheiten. Zeitungsbericht hier. Foto: Illegale Siedler im Urwald.

Letzte Chance zur Rettung des Regenwaldes

Unlängst hat die nicaraguanische Tageszeitung »El Nuevo Diario« erneut darauf hingewiesen, dass nur noch wenig Zeit bleibt, die Reste des tropischen Regenwaldes in Zentral-Amerika zu retten. Siehe hier. Wenn Abholzung und Zersiedlung des Waldes in bisherigem Umfang fortschritten, sei dieser in 20 Jahren verschwunden. 1987 habe der Wald noch eine Fläche von 580.000 ha bedekt. Im letzten Jahrzehnt sei die Waldfläche um 280.000 ha geschrumpft. Zuletzt seien jährlich sogar 42.000 ha Wald durch das unmittelbare und mittelbare Einwirken des Menschen verschwunden. Das UNESCO-Biospärenreservat Bosawas drohe seinen besonderen Status zu verlieren, wenn der Wald in Zukunft nicht besser geschützt werde. Im Urwald leben etwa 20.000 Mayangnas und Miskitos, viele von ihnen Mitglieder der Brüdergemeine, die den Wald extensiv bewirtschaften und damit erhalten.

»Biswaskarma Clinic« bildet Ärzte aus

Die »Bilwaskarma Clinic« der Brüder-gemeine im Norden von Nikaragua am Rio Coco war Ausbildungsbetrieb für die ersten 17 jungen Ärztinnen und Ärzte, die am 12. Dezember 2014 ihr Studium an der »University of the Autonomous Regions of the Caribbean Coast of Nicaragua« (URACCAN) erfolgreich abschlossen. Alta Hooker, Mitglied der Brüdergemeine und frühere Absolventin der Krankenpflegeschule in Bilwaskarma, jetzt Dekanin der URACCAN, hatte den Studiengang durch ihre guten Beziehungen zum Staat wie zur Brüdergemeine vor einigen Jahren aufbauen können. Die jungen Ärztinnen und Ärzte gehören fast alle den Volksgruppen der Miskitos, Mayangnas und Kreolen an. Krankenschwestern aus Bilwaskarma arbeiten überall in Amerika .

Anwälte helfen den Mayangnas

Die »Evangelische Landeskirche in Baden«, deren Kirchenbezirk Ortenau eine Direktpartnerschaft zu zwei Brüdergemeinen in Nikaragua pflegt, hat den Mayangna-Gemeinden im »Minendreieck« 3.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit diese den vom Landraub betroffenen Menschen im tropischen Regenwald anwaltliche Beratung zuteil werden lassen können. In der Gemeinde Bethlehem hatte es im Februar 2015 gewaltsame Übergriffe illegaler Siedler gegeben, die damit drohten, die Indigenen zu vertreiben, die seit Jahrhunderten friedlich im Urwald leben und diesen bewahren. Aber auch andere Gemeinden leiden darunter, dass Landräuber mit gefälschten oder ungültigen Urkunden in ihr Gebiet eindringen, den wertvollen Tropenholzbestand roden und mit Land- und Viehwirtschaft beginnen.

Überfall auf Mayangnas in Bethlehem

Francisco Rener, Direktor der Außenstelle der UENIC (Evangelische Universität Nikaragua) in Bonanza, der acht Jahre in Deutschland studiert hat, berichtet von einem Überfall bewaffneter Kolonisten aus West-Nikaragua auf die Brüdergemeine in Bethlehem in der Nacht vom 22. zum 23. Januar 2015. Die Menschen in dem kleinen Dorf Bethlehem gehören allesamt zum Volk der Mayangnas. Das Volk, das seit Jahrhunderten friedlich im Urwald lebt, hat der Gewalt der Eindringlinge, die ihnen das Land, die Kultur und damit die Lebensgrundlage rauben, nichts entgegenzusetzen. In Kürze wollen sich José Taylor und andere Führer der Indigenen in Bethlehem treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Der nikaraguanische Staat schützt die Indigenen nach wie vor kaum. Interview in der »Badischen Zeitung« zur Lage der Mayangnas hier.

Bau des Nikaragua-Kanals hat begonnen

Am 22. Dezember 2014 begann der Bau des so genannten »Nikaragua-Kanals«, der mit 278 Kilometern Länge mehr als dreimal so lang wie der weiter südlich gelegene Panama-Kanal werden soll. Für das Vorhaben sind insgesamt 32 Milliarden Euro veranschlagt, für die chinesischen Investoren aufkommen wollen. In Nikaragua streitet man darüber, ob das gigantische Bauvorhaben und der spätere Betrieb des Kanals den Einwohnern mehr nützt (Arbeitsplätze, Infrastrukturmaßnahmen) oder mehr schadet (Umweltbedenken; Angst vor Enteignungen). Die links gerichtete sandinistische Regierung, die vorab keine ordentliche Ausschreibung der Bauleistungen vornahm, spricht von einen »Kanal gegen die Armut«. Schon in etwa vier Jahren soll der Kanal, der bei Bluefields, einem traditionellen Zentrum der Herrnhuter Brüdergemeine, in den Atlantik mündet, fertig sein.

Miskito-Gemeinden wehren sich

Immer mehr Miskito-Gemeinden im Osten und Norden von Nikaragua verlassen sich bei ihrem Kampf gegen illegale Tropenholzräuber und Kolonisten nicht mehr auf den Staat, sondern greifen zur Selbsthilfe. Die Indigenen bewaffnen sich, zerstören die Häuser der Siedler und vertreiben diese aus ihren Gebieten, so geschehen in Layasiksa (100 km südlich von Bilwi) und in einigen Dörfern am Rio Coco. Die Indigenen beklagen die Untätigkeit von Polizei sowie Justiz und äußern die Vermutung, dass korrupte Beamte den Landraub sogar heimlich förderten, um die Chancen der regierenden Sandinisten bei den nächsten Wahlen zu erhöhen. Carlos Sander, ein Führer der Indigenen, sprach von 600 Siedler-Familien, die in das Gebiet von Tuahka eingedrungen seien. Die nikaraguanische Zeitung »La Prensa« berichtete - siehe hier.

Teile von Ostnikaragua überschwemmt

Im Osten Nikaraguas, wo die Brüdergemeine eine Volkskirche ist, hat es in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit Tropensturm Nr. 14-2014 heftig und lang anhaltend geregnet, was zu einem raschen Anstieg der Flüsse und zu Überflutungen führte. Rogelio Zacarías, Pfarrer der Brüdergemeine in Bethlehem, berichtet von Evakuierungen und gravierenden Schäden in der Landwirtschaft, von Verletzten und ersten Toten. Straßen, Furten und Brücken sind derzeit unpassierbar. Watson Gutierrez, Mitglied der Kirchenleitung, begab sich nach Musawas und Bonanza (Foto), die teilweise unter Wasser stehen, um die Lage zu erkunden. Die Einwohner von Salkawas befürchten den Bruch eines Staudammes, dessen Fluten den Ort binnen einer Stunde erreichen würden.

Mayangnas säubern den Grenzstreifen

Die Behörden im Mayangna-Territorium Sauni As mitten im tropischen Regenwald von Nikaragua wollen endlich die Säuberung des Grenzstreifens in Angriff nehmen. Nach den Verwüstungen durch den Hurrikan »Felix« am 7./8. September 2006 ist dieser Streifen verwildert und die dort befindlichen Grenzsteine sind zerstört oder unsichtbar, was das Eindringen illegaler Kolonisten erleichtert. Die Säuberung soll am Grenzpunkt »Kuru Rau« östlich von Suniwas beginnen und sich anschließend nach Norden fortsetzen. Die Einwohner der angrenzenden Dörfer Sakalwas, Suniwas, Padriwas, Nazareth und Bethlehem, die meist der Brüdergemeine angehören, wollen die Säuberung mit eigenen Händen vornehmen. Sie haben bei der Partnerschaftsgruppe im Kirchenbezirk Lahr um finanzielle Unterstützung dafür gebeten. Im Bild eine Karte mit den vorgesehenen Säuberungsgebieten.

Hilfe für Nikaragua aus den USA

Ein Online-Forum berichtete jüngst über das Engagement zweier Mitglieder der Brüdergemeine in den USA, Dr. Bruce Barrett und Sylvia Metzler, zugunsten von Nikaragua. Ersterer war in Kooperation mit der »Iglesia Morava en Nicaragua« als Internist in Krankenhäusern in Bluefields, Pearl Lagoon und Tasbapaunie an der südlichen Costa Atlantica tätig. Insbesondere ging es ihm um die Aufklärung von Jugendlichen über den Zusammenhang zwischen Diabetes und Parodontose. Mehr hier. Letztere unterstützt über die von ihr gegründete Organisation »MedNica« seit Jahrzehnten die »Juanita Connolly Mendoza Clinic«, das Krankenhaus der Brüdergemeine in Managua, benannt nach seiner beliebten, früh verstorbenen Leiterin. Das Krankenhaus, das auch Vorsorgeprogramme an der Ostküste durchführt und sich um sauberes Trinkwasser kümmert, ist auf die Gesundheit von Frauen spezialisiert.

Zu Besuch bei Frauenkonferenz in Bilwi

Die Teilnehmenden an der Begeg-
nungsreise nach Nikaragua und Costa Rica hatten das Glück, im April 2014 die Frauenkonferenz der Brüderge-
meine in Nikaragua mitzuerleben. Alle drei Jahre kommen etwa 400 Frauen aus den fünf Distrikten der Provinz zusammen, um sich auszutauschen. Von abgelegenen Dörfern am Rio Coco, aus kaum zugänglichen Mayangna-Siedlungen im Urwald, aus der Hauptstadt Managua und aus dem südlichen Bluefields machten sie sich zu Fuß, per Bus oder Boot auf den Weg nach Bilwi. Sie sprachen Miskito, Spanisch, Englisch oder Mayangna, je nachdem, wie es bei ihnen üblich ist. Es ging um kirchliche und soziale Aktivitäten sowie um den Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt. Die Frauen schöpften aus der Konferenz, die von der Herrnhuter Missionshilfe mit 2.000 Euro unterstützt wurde, neuen Mut für ihren Alltag.

Brücke bei Sisin akut einsturzgefährdet

Die für die Versorgung der Bevölkerung im nordöstlichen Hinterland von Nikaragua extrem wichtige weil einzige Brücke über den Rio Likus bei Sisin ist entgegen vieler Versprechungen der Regierung noch immer nicht saniert worden. Nach mehreren Teil-Einstürzen der Brücke und anschließenden Notreparaturen der Brückenseile sowie des Brückenbelages müssen die Passagiere jetzt aussteigen und die Brücke zu Fuß überqueren, ehe ihnen der Bus langsam folgt. Ohne diese Brücke gibt es keine Möglichkeit, größere Waren und Menschen unkompliziert von der Atlantikküste in das Landesinnere nach Waspam an den Rio Coco zu bringen. In Sisin ist mit Hilfe aus Deutschland die vom Hurrikan »Felix« total zerstörte Kirche der Brüdergemeine wieder aufgebaut worden.

Lage wird immer bedrohlicher

Entgegen aller Versprechen wird die Lage der Mayangnas in Nordost-Nikaragua immer bedrohlicher. Dieses Volk gehört mehrheitlich der Brüdergemeine an. Der Ausverkauf des Regenwaldes, nicht nur der Lebensraum der Mayangnas, sondern auch die letzte »Grüne Lunge Mittelamerikas«, ist zur Hälfte abgeschlossen. Das Handeln eindringender Holzfäller, Landspekulanten und Siedler wird von der Regierung nicht verfolgt, sondern stillschweigend geduldet, um sich deren Wählerstimmen zu sichern. Während es den Indigenen am Nötigsten fehlt, genießen die Fremden in ihren Siedlungen allen Luxus: feste Häuser, Dieselgeneratoren, Solaranlagen, Satelliten-TV, Trinkwasser, Geschäfte, befestigte Straßen sogar Schulen. Über einen besonders krassen Fall in Saslaya im UN-Biosphärenreservat Bosawás berichtete die Zeitung - Download hier.

Überschwemmungen in Nikaragua

Heftiger Regen hat alle Flüsse im Nordosten von Nikaragua über die Ufer treten lassen, so dass auch die wenigen Straßenverbindungen zwischen den Orten seit Mitte Dezember 2013 unterbrochen sind. Ein Überqueren der Flüsse mit Autos oder Fähren ist wegen wegen starker Strömungen unmöglich. Die wichtige Brücke bei Sisin wurde gesperrt. Der gesamte Verkehr muss mit Booten oder Flugzeugen abgewickelt werden. Zwar haben die Überschwemmungen bisher unmittelbar noch keine Menschenleben gefordert, jedoch verhindern diese die Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoffen und Medikamenten. Noch gravierender ist der Totalverlust der Ernte bei Tausenden von Bauern. Pfarrer Rogelio Zacarías teilte mit, die Brüdergemeine sei bemüht, Lebensmittel an die Darbenden zu verteilen und anderweitig Nothilfe zu leisten.

Studium durch Kunsthandwerk finanziert

Erstmals hat eine Mayangna-Familie in Nikaragua es geschafft, das Medizinstudium ihrer Tochter selbst zu finanzieren. Darüber berichtete die Zeitung »El Nuevo Diario«. Das erforderliche Geld bekam Dr. Maribel Taylor-Frank aus Bonanza vor allem durch das kunsthandwerkliche Geschick ihrer Mutter. Diese übt eine alte indigene Technik aus, mit der vorsichtig abgeschälter Rindenbast des Tropenbaumes »Paulseinia armata« durch Trocknen und Klopfen zu einem Gewebe namens »Tuno« verarbeitet wird. Aus Tuno lassen sich Teppiche, Bezüge, Hüte, Westen und Deko-Artikel herstellen, die bei Touristen beliebt sind. Mit der Vernichtung des Regenwaldes verschwinden auch die für die Tuno-Herstellung benötigten Bäume.

Die Losungen in Mayangna

»Wir sind sehr glücklich«, schreibt Rogélio Za-
carías, Pfarrer der Brüdergemeine in Nikaragua, »dass wir die Losungen und die Kirchenlieder (Foto) in unserer eigenen Sprache haben. Wir danken Euch herzlich, Schwestern und Brüdern in Deutschland, das Ihr uns beides ermöglicht habt.« Zwei Personen sind mit der Übersetzung der Losungen für 2014 beschäftigt. Eine weitere Person kümmert sich um die digitale Erfassung. Das Korrekturlesen und die Verteilung übernehmen die Pfarrer der Mayangna-Gemeinden. Die Mayangnas leben im Landesinneren von Nikaragua. Ihre Sprache und ihre Kultur haben sie bisher nur mündlich gepflegt. Erst seit kurzem wird beides auch schriftlich weitergegeben. Die Losungen spielen hierbei eine besondere Rolle. Zumeist hat jede Familie ein Losungsbuch, in dem am Morgen oder am Abend geselen wird.

Rechte der Indigenen gestärkt

Die Verfassung der nikaraguanischen »Autonomen Region Nord-Atlantik«, in der die Brüdergemeine die größte Kirche ist, sieht vor, dass Gerichtsprozesse in Miskito geführt werden, der Sprache, die von 95% der Menschen gespro-
chen wird. Dieser Verfassungsregelung soll, wie es in einer Meldung hieß, ab Dezember 2013 entsprochen werden. Justizpersonal, das bisher noch nicht Miskito spricht, soll geschult werden. Die Miskitos, die vor allem aufgrund von Drogendelikten sowie von Landraub immer wieder ihr Recht vor Gerichten erstreiten müssen, begrüßten diese Zusage. Sie sehen darin eine Würdigung der Tatsache, dass sie sich seit dem 17. Jh. trotz spanischer und britischer Eroberungsversuche eine eigenständige Kultur bewahrt haben.