Der Initiator der Herrnhuter Mission und in den Anfangsjahren ihr maßgeblicher Gestalter war Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760). Dieser weilte zweimal selbst in den nordamerikanischen Missionsgebieten, im 18. Jh. etwas sehr Besonderes für einen Reichgrafen, v. a. angesichts der gefahrvollen, mehrwöchigen Seereise.

Zinzendorf hat sich nirgendwo zusammenhängend oder systematisch zur Mission geäußert. Eine »Missionstheologie Zinzendorfs« existiert daher nicht. Seine Äußerungen zur Mission finden sich in verschiedenen Predigten, Reden, Briefen, Synodenprotokollen und Gelegenheitsschriften. Wichtig war für Zinzendorf vor allem folgendes:

- Bei der von Europa ausgehenden Mission geht es um die Gewinnung von »Erstlingen«, nicht um die Christianisierung ganzer Volksstämme oder Landstriche. Alles Weitere wird sich fügen.

- Missionare und Missionarin sollen einheimische Männer und Frauen frühzeitig in ihre Arbeit einbeziehen und ihnen Verantwortung sowie geeignete Ämter und Aufgaben übertragen.

- Mission muss »ins Herz« gehen, d. h. eine Neuausrichtung des gesamten Lebens zur Folge haben; sie darf nicht auf eine äußerlich-formale Bekehrung bzw. auf eine schnelle Taufe abzielen.

- Missionar und Missionarin kann grundsätzlich jede Person sein, deren Herz für Jesus Christus brennt. Einer besonderen theologischen Ausbildung bedarf es für den Missionseinsatz nicht.

- Herrnhuter Mission ist grundsätzlich langfristig-nachhaltig angelegt. Wer in die Mission geht, unternimmt keine Besuchsreise, sondern beginnt eine mehrjährige, anstrengende Arbeit.

- Ein Export der in Europa vorhandenen konfessionellen Vielfalt muss bei der Mission unbedingt vermieden werden. Wichtig ist nicht Kirchenwachstum, sondern persönlicher Glaube.

- Missionare und Missionarinnen sollen möglichst von ihrer Hände Arbeit leben und nicht in erster Linie von Spenden aus der Heimat oder empfangenen Almosen abhängig sein.

- Wer in der Mission dient, soll sich nicht als Heilsbringer, sondern als »Botengänger« fühlen. Alle Mission geht von Jesus aus; menschliches Handeln kann diesem nur den Weg bereiten.

- Herrnhuter Mission wird nie durch eine strategische Vorgehensweise gekennzeichnet; sie wartet für den Beginn und die Ausrichtung ihrer Arbeit vielmehr auf einen Wink Gottes.

- Die von den Missionaren und Missionarinnen aufgesuchten Länder sind keineswegs gottlose Gebiete. Gott war immer schon vor den Missionaren und Missionarinnen da.

- Missionare und Missionarin sollen die Kultur der einheimischen Völker wertschätzen und sich davor hüten, alle vorfindlichen Dinge nach europäischen Kriterien zu beurteilen.

- Träger der Mission sollen weder abendländisch-christliche Obrigkeiten noch Kolonialgesellschaften, weder engagierte Einzelchristen noch fromme Zirkel sein, sondern stets die Gemeinden. 

Der Graf N. L. von Zinzendorf zur Mission (pdf) - hier          Zinzendorf-Website: deutsch - hier / englisch - hier

Eine große Schar aus allen Völkern und Sprachen stand vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, die riefen: Das Heil ist bei unserem Gott und dem Lamm (Offenbarung 7, 9-10).

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Zuständigkeiten für die Missionsarbeit heute

Missionsarbeit wird heute nicht mehr zentral von Herrnhut oder von Deutschland aus betrieben, sondern ist ein Daseinsgrund und ein Hauptanliegen der gesamten weltweiten Brüder-Unität. Viele der 21 Provinzen, aus denen die weltweite Brüder-Unität derzeit besteht, tragen besondere Verantwortung für die Missionsarbeit in einer ganz bestimmten Weltgegend. Die hier aufgelisteten Provinzen (bitte auf das Bild klicken!) sind für die Begleitung und Förderung von 6 unselbständigen Missionsprovinzen sowie von 14 Missionsgebieten zuständig. Außerdem gibt es noch mehrere Gebiete, in denen die Missionsarbeit gerade erst begonnen hat. In Trägerschaft der weltweiten Brüder-Unität befinden sich zwei Unternehmungen: Das »Star Mountain Rehabilitation Center« bei Ramallah in Palästina und das Unitätsarchiv in Herrnhut, beide treuhänderisch verwaltet von der Europäisch-Festländischen Brüder-Unität. Neben diesen »Mutter-Tochter-Beziehungen« gibt es noch besondere Partnerbeziehungen (meist historisch bedingt) zwischen den Missionsgesellschaften und einzelnen Provinzen bzw. Missionsprovinzen. Die Herrnhuter Missionshilfe ist partnerschaftlich besonders verbunden mit drei Unitätsprovinzen in Tansania (Süd, Südwest und Rukwa), einer Missionsprovinz in Tansania (Ost) sowie mit den Unitätsprovinzen in Malawi und Südafrika. Beschlossen wurden die Zuständigkeiten von der jüngsten Tagung des Unitätsvorstandes im Herbst 2012.