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Reise mit dem Boot
Will man das Landesinnere von Surinam bereisen, so ist man auch heute noch auf ein Boot angewiesen. Über kurz oder lang gelangt man überall an einen der großen Urwaldströme. Die einzige Möglichkeit zum Weiterkommen ist dann der Wasserweg. Seit der Erfindung des Außenbordmotors geht das zwar schneller als mit dem Paddel. Aber er kann nicht überall eingesetzt werden. Immer wieder versperren große Felsen und Stromschnellen die Fahrrinne. Die Schraube des Motors muss dann aus dem Wasser geholt werden, damit sie keinen Schaden nimmt. Oft muss auch das gesamte Boot ausgeladen werden. Die Insassen laufen um die Stromschnelle herum und tragen das Gepäck. Das leere Boot wird mühsam über die Stromschnelle gezogen und kann erst ober- oder unterhalb wieder eingesetzt werden.

Auf eine Reise ins Binnenland muss alles Erdenkliche mitgenommen werden, da es unterwegs keine Möglichkeiten gibt, etwas zu kaufen. Nötig sind Treibstoff für den Motor, eine Hängematte zum Schlafen und ein Moskitonetz gegen das Ungeziefer, Trinkwasser oder wenigstens Wasserreinigungstabletten, denn nicht überall ist Wasser in der nötigen Trinkqualität zu haben. Nötig sind auch haltbare Nahrungsmittel, denn man muss sich selbst versorgen. Die Bewohner der an den Flüssen gelegenen Dörfer sind zwar sehr gastfreundlich. Aber oft haben sie selbst nur sehr wenig zum Leben. Da es keine Möglichkeiten zur Kühlung von gefangenen Fisch oder gejagtem Wild gibt, jagt und fischt man nur so viel, wie man für den Eigenbedarf benötigt. Hat jemand besonderes Jagdglück, dann wird die Beute mit dem ganzen Dorf geteilt. Auch die mühsam dem Urwald abgerungenen Felder (Kostgründe genannt) liefern wenig Ertrag. Besucher, die länger im Binnenland unterwegs sind, nehmen deshalb am besten einen Sack mit Reis und einen Sack mit Mehl mit, um sich unterwegs Brot backen zu lassen. Früchte und Gemüse kann man am ehesten von den Dorfbewohnern erwerben.
Natürlich gibt es auch keine Telefonverbindungen. Wer im Binnenland von Suriname unterwegs ist, muss damit rechnen, dass er mitunter tagelang keinen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen kann. Ab und zu ist dies über ein Funkgerät in einem der hier und dort zu findenden Posten der ärztlichen Mission möglich, die auf diese Weise mit ihrer Einsatzleitstelle im zentralen Diakonissenkrankenhaus der Brüdergemeine in Paramaribo in Verbindung stehen. Das Reisen im Landesinneren von Suriname ist also in mancher Hinsicht noch genauso beschwerlich wie früher. Wer diese Mühen jedoch auf sich nimmt, der wird reich belohnt. An den Stellen, an denen die Landschaft noch unberührt geblieben ist, umfängt den Besucher eine nur noch an wenigen Stellen der Erde zu findende Stille, und man kann einen Eindruck davon gewinnen, wie es kurz nach der Schöpfung im Paradies ausgesehen haben muss. Frieder Vollprecht
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