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Die in Nicaragua erscheinende Zeitung »Der neue Tag« hat vor wenigen Tagen nach einem Gespräch mit Schwester Cora Antonio, der Vorsitzenden der Kirchenleitung der Brüdergemeine in Nicaragua, folgenden Artikel abgedruckt: AUF EINE SOLCHE KATASTROPHE WAREN WIR NICHT VORBEREITET
Die Miskitos können immer noch nicht glauben, was ihnen am Morgen des 4. September 2007 widerfuhr. Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass ihnen ihre Lieben entrissen wurden, und sie hoffen darauf, dass das Meer sie ihnen zurückgibt. Diejenigen, die die Katastrophe überlebt haben, bemühen sich, ihre Häuser notdürftig zu reparieren. In den Trümmern suchen sie das Wenige zusammen, das ihnen blieb. Andere erinnern sich daran, wie ihre Angehörigen und Freunde in den Fluten des karibischen Meeres umkamen. »Es ist das erste Mal, dass die Miskitos von einer Katastrophe solchen Ausmaßes heimgesucht wurden«, sagt die Superintendentin der Herrnhuter Brüdergemeine in Nicaragua, Cora Antonio. »Auf eine Katastrophe solchen Ausmaßes waren wir nicht vorbereitet. Siebzig Prozent der Gemeinden rechneten nicht mit einem so heftigen Wirbelsturm. Das Radio meldete noch Alarmstufe gelb, als dann nachts Alarmstufe rot ausgerufen wurde. So kam es, dass die meisten nicht richtig informiert waren. So kam es auch zum Verlust so vieler Menschenleben. In der Gemeinde Sangni Laya stürzte ein Haus ein und begrub drei Geschwisterkinder unter sich. Diese Kinder mussten sterben, weil sie nicht richtig informiert waren und nicht die Möglichkeit hatten, sich rechtzeitig in die Schutzunterkünfte zu begeben. In Honduras wurden in der Gemeinde Raya zwanzig Frauen verschüttet. Zahlreiche Großfamilien haben bis zu fünf Familienmitglieder als vermisst gemeldet. Große Trauer herrscht über den Tod von Pfarrer Frutos Padilla, der sich in seiner Gemeinde speziell für jugendliche Drogenabhängige einsetzte. Der Pfarrer starb in der Gemeinde Dákarun zusammen mit seinem Neffen und zwei weiteren Familienangehörigen, als das Dach seines Hauses über ihnen einstürzte. Den Miskitos sage ich«, meint Cora Antonio, »sie sollen den Wirbelsturm nicht als Strafe Gottes ansehen. Wir müssen einsehen, dass wir ein armes Land sind. Nur deshalb konnte das Ausmaß der Katastrophe so groß sein. Viele Miskitos glauben, dass es sich bei dem Wirbelsturm um eine Strafe Gottes handele, weil so viele Jugendliche mit Drogen zu tun haben.« Cora Antonio bekräftigt, dass die Herrnhuter Brüdergemeine versuche, die Betroffenen zu begleiten und zu trösten. Sie meinte, es sei wichtig, dass alle, Regierungsvertreter und Hilfsorganisationen, zusammenarbeiten, um der Katastrophe zu begegnen. Sie machte deutlich, dass bald noch mehr Todesopfer zu beklagen sein werden, wenn nicht bald Trinkwasser und Nahrungsmittel in ausreichender Menge verteilt werden. Nahrungsmittel träfen zwar ein, jedoch sehr spärlich.
Zur Lage in Nicaragua nach dem Hurrikan »Felix«
Stand: 11.09.2007
Liebe Geschwister! Liebe Freunde! Noch immer ist die Nachrichtenlage bezüglich der genauen Auswirkungen des Hurrikans »Felix« auf den Norden Nicaraguas recht spärlich. Bitte schaut regelmäßig auf unsere Homepage www.herrnhuter-missionshilfe.de. Dort werden wir Neuigkeiten veröffentlichen. Durch den totalen Zusammenbruch der Infrastruktur gibt es bisher nur eine Nachrichtenverbindung nach Puerto Cabezas (Bilwi), nicht jedoch zu den Städten und Dörfern weiter im Norden und im Binnenland. Allgemein kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Auswirkungen von Hurrikan »Felix« mindestens genauso schlimm sind wie die Auswirkungen von Hurrikan »Mitch«, der Nicaragua vor neun Jahren traf und von dem sich das Land immer noch nicht vollständig erholt hat.
Schriftliche Berichte von Mitgliedern der Brüdergemeine oder gar eigene Bilder aus dem Katastrophengebiet liegen uns bislang nicht vor. Beauftragte der Kirchenleitung sind aber zur Bestandsaufnahme im Lande unterwegs. Was wir wissen, das wissen wir durch einzelne Telefongespräche und durch die Internet-Lektüre von lokalen Zeitungen. Die bisher verfügbaren Bilder sind allesamt Zeitungsbilder (z. B. aus „Der neue Tag“: http://www.elnuevodiario.com.ni/2007/09/09/galeria/huracan_felix und eine Fotostrecke aus der „FAZ“ die auch eine zerstörte Kirchen der Brüdergemeine zeigt www.fr-online.de/felix). Ein wichtiger Ansprechpartner für uns ist Bruder Ulrich Epperlein, der einige Jahre in Nicaragua gearbeitet hat und jetzt als Pfarrer in der badischen Landeskirche dient. Die von ihm verantwortete Homepage www.miskito-nicaragua.de mit aktuellen und grundsätzlichen Nicaragua-Informationen sei Euch ausdrücklich empfohlen.
Hier einige Nachrichten aus den letzten Tagen:
1. HMH und Losungsspende haben eine Nothilfe in Höhe von 40.000 € bereitgestellt. Die niederländische Organisation ZZg will noch einmal 10.000 € dazugeben. Wir durften schon einige Spenden von Privatpersonen und Gemeinden in Empfang nehmen, bitten aber weiterhin dringend um Spenden. Das kann jetzt auch online über das neue Spendenportal auf unserer Homepage geschehen.
2. Auch die Diakonie-Katastrophenhilfe (»Brot für die Welt«) in Stuttgart wurde in die Hilfsaktion eingeschaltet. Leider sind die ersten Zahlungen nicht direkt an die Brüdergemeine an der Atlantikküste gegangen, sondern an Partner in nicht betroffenen Landesteilen. Wir arbeiten daran, dass die Diakonie-Katastrophenhilfe nach Möglichkeit auch direkte Hilfsleistungen nach Puerto Cabezas erbringt
3. Wir stehen in Verbindung mit der brüderischen Missionsorganisation »Board of World Mission« in den USA, die einen leichteren Zugang nach Mittelamerika hat als wir. Auch das BoWM wird die Lage sondieren, entsprechende Mittel bereitstellen, erforderliche Hilfsleistungen erbringen und Informationen weitergeben. Sobald uns von dort Berichte vorliegen, reichen wir diese gern weiter.
4. Die Kirchenleitung in Puerto Cabezas beklagt, dass Hilfen der nicaraguanischen Regierung bisher weitestgehend ausgeblieben seien. Wie schon des Öfteren ist die indianisch besiedelte Region an der Atlantikküste eine von der Politik vergessene und benachteiligte Region. Umso wichtiger ist es, dass kirchliche und Nicht-Regierungs-Organisationen mit ihrer Hilfe präsent sind.
5. Die Kirchenleitung in Nicaragua hat am Wochenende entschieden, dass die Vorsitzende, Schwester Cora Antonio, trotz der Naturkatastrophe wie geplant in zehn Tagen nach Europa (Schweiz, Deutschland, Schweden) kommen soll. Auf diese Weise werden wir in Kürze authentische Informationen aus Nicaragua erhalten. Am 23./24. September 2007 wird Schw. Cora Antonio in Bad Boll sein.
6. Die entstandenen Schäden an Gebäuden, Infrastruktur, persönlichem Eigentum und in der Landwirtschaft sind noch nicht zu beziffern, teilweise noch nicht einmal bekannt, da manche abgelegenen Gebiete nach wie vor nicht zugänglich sind. Es ist davon auszugehen, dass auch die Brüdergemeine (etwa 50 Gemeinden in der Region) von Schäden in Millionenhöhe betroffen ist.
7. Uns wurde gemeldet, dass 35 Kirchen der Brüdergemeine in Puerto Cabezas, Sandy Bay, Waspam, Bonanza, Rosita, Twapi, Krukira, Dakura und anderen Orten mehr oder weniger zerstört sind. Zumindest die Dächer sind abgedeckt, das Inventar ist beschädigt worden. Auch Pfarr- und Gemeindehäuser, Schulen und Gesundheitseinrichtungen wurden in gleicher Weise betroffen.
8. Die medizinischen Einrichtungen, vor allem ein provisorisches Krankenhaus in Puerto Cabezas mit nur 120 Betten, arbeiten bei der Versorgung Tausender Verletzter seit Tagen an und über der Belastungsgrenze. Es gibt noch immer viele Vermisste. Die Zahl der Toten steigt weiter. Sie liegt momentan bei über Hundert. Unter den Toten ist auch ein Pfarrer im Ruhestand der Brüdergemeine.
9. Die sandinistische Regierung von Nicaragua hat für die Atlantikregion in den Notstand ausgerufen. Offiziell gemeldet wurden 30.000 zerstörte Häuser. Etwa 16.000 Einwohner sollen sich momentan in 75 gemeinschaftlichen Notunterkünften aufhalten. Es fehlt vor allem am Lebensmitteln, Trinkwasser, Wasserreinigungsanlagen, Plastikplanen, Decken, Medikamenten und Verbandsmaterial.
10. Verheerend war nicht nur der Sturm an sich, verheerend sind vor allem die anschließenden gewaltigen Regenmengen und die damit verbundenen riesigen Überschwemmungen, die die Natur zerstört und in weiten Teilen die gesamte Ernte vernichtet haben. Aus der ebenfalls vom Hurrikan betroffenen Provinz Honduras, nördlich von Nicaragua, liegen uns noch keinerlei Informationen vor.
11. Die Brüdergemeine hat in Gesamt-Nikaragua etwa 85.000 Mitglieder. Sie arbeitet dort seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Derzeit gibt es im Land 190 Gemeinden, schwerpunktmäßig entlang der weniger entwickelten Atlantikküste und im anschließenden Hinterland. Die Mitglieder gehören in der Mehrzahl zu den Bevölkerungsgruppen der Miskito-, Mayangna- (früher: Sumo-) und Rama-Indianer. 9. Wir bitten: Denkt in Euren Gebeten an die zehntausenden Betroffenen sowie an die Helferinnen und Helfer. Sammelt in Gottesdiensten und Versammlungen Sonderkollekten und fordert auch zu privaten Spenden auf. Wir geben das Geld in Absprache mit der Kirchenleitung in Puerto Cabezas direkt und zeitnah in die betroffene Region. Es kommt der unmittelbaren Nothilfe zugute, aber auch dem Wiederaufbau der Gebäude sowie dem Neubeginn in der Landwirtschaft. Gott segne Geber und Gaben. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung. Mit Segenswünschen und herzlichen Grüßen, gez. Andreas Tasche
Erstes Gesangbuch in der Sprache der Mayangna
Endlich besitzen die Mayangna, ein kleines Indianervolk im Osten Nicaraguas, ein Gesangbuch in ihrer eigenen Sprache. Bei der Erfüllung dieses lang gehegten Wunsches half die Herrnhuter Missionshilfe. Am 27. August 2006 wurde das neue Gesangbuch, das zunächst in einer Auflage von 2.500 Stück erschien, in Muzawás offiziell in Gebrauch genommen. Die Arbeit am neuen Gesangbuch, die überwiegend ehrenamtlich geschah, währte insgesamt drei Jahre. Land und LeuteNicaragua ist flächenmäßig das größte Land Mittelamerikas, hat aber nur 130.000 Quadratkilometer (davon 118.404 qkm Landfläche). Zum Vergleich: So groß sind etwa die neuen deutschen Bundesländer zusammen. Nicaragua hat 4,3 Millionen Einwohner, von denen 820.000 in der Hauptstadt Managua leben. Die Bevölkerung besteht zu 70 % aus Mestizen, 17 % Weißen, 9 % Kreolen, 4 % Indianern, von denen etwa 70.000 bis 80.000 dem Volk der Miskito angehören, dem größten noch lebenden Indianervolk der Welt, das in der Ebene an der Ostküste wohnt.
Die politische Entwicklung Nach dem Befreiungskampf gegen die Somoza-Diktatur regierte von 1979 bis 1990 die sandinistische Befreiungsfront in Nicaragua, die versuchte, das Land aus der Umklammerung der USA zu lösen und einen eigenen, sozialistischen Weg zu gehen. In demokratischen Wahlen wurden die Sandinisten im Februar 1990 abgelöst. Das Land wird seitdem von neoliberalen und konservativen Regierungen geleitet (V. Chamorro, A. Aleman). Die Hoffnungen auf Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung haben sich nicht erfüllt, Hilfszusagen wurden nicht eingehalten. Die Kluft zwischen den wenigen Reichen und der großen Mehrheit der Armen vergrößert sich.
Die wirtschaftliche Lage
Die wichtigsten Produkte, die Nicaragua ausführt, sind Kaffee, Bananen, Baumwolle, Mais, Reis, Hirse. Nicaragua hat wenig Industrie, aber viel Landwirtschaft. Die Auslandsschulden des Landes belaufen sich auf über 6 Milliarden US-Dollar.
Besonders arm ist die Ostküste des Landes, wo die Miskito-, Sumu- und Rama-Indianer sowie vor allem Kreolen zu Hause sind. Dort beträgt die Arbeitslosigkeit 60 %, während sie im Westen bei knapp 40 % liegt. Die Ostküste wurde von bisher allen Regierungen vernachlässigt. Die Situation der Kirchen
In der Organisation CEPAD sind mehr als 40 protestantische Kirchen und Gruppierungen zusammengeschlossen. Sie wurde nach dem verheerenden Erdbeben von 1982 (ca. 25.000 Tote) gegründet, um die Spendengelder verteilen zu können. Heute ist CEPAD eine Art ökumenisches diakonisches Werk mit Sitz in Managua.
Die dominierende kirchliche Kraft in Nicaragua ist die katholische Kirche, der offiziell über 80 % der Bevölkerung angehören (aber nur 15 % an der Ostküste). Managua ist Sitz eines Kardinals. Während der sandinistischen Regierung kam es zu großen Spannungen innerhalb der katholischen Kirche, weil die Amtskirche die sandinistische Regierung offen bekämpfte, während sich so genannte ›Basisgemeinden‹ begeistert zu den Sandinisten bekannten und von ihnen auch unterstützt wurden. In den vergangenen Jahren wanderten katholische Christen scharenweise zu den Pfingstgemeinden ab. Die Iglesia Morava (Herrnhuter Brüdergemeine) in Nicaragua
1849 begann die Missionsarbeit an der Ostküste (Bluefields) durch Herrnhuter Missionare. 1863 zählte die Iglesia Morava 546 Mitglieder, 1900 schon 4.000 Mitglieder in 14 Stationen, 1930 13.082 Mitglieder mit 10 Pfarrern und 12 Missionaren. Heute zählt sie fast 100.000 Mitglieder in etwa 200 Gemeinden mit 80 ordinierten Pfarrern und 125 Laienpredigern.
Die Iglesia Morava wurde 1967 eine selbständige Provinz innerhalb der weltweiten Brüder-Unität. Der Sitz der Kirchenleitung befindet sich in Puerto Cabezas, das heute wie früher Bilwi genannt wird. Die Iglesia Morava war auch an Bibelübersetzungen beteiligt: Das neue Testament konnte in der Sumu-Sprache gedruckt werden, und die Übersetzung des Alten Testaments ins Miskito ist fertig gestellt. Das Instituto Biblico, früher in Bilwaskarma, hat in einem neuen Gebäude seinen Dienst als eigene theologische Ausbildungsstätte der Iglesia Morava in Bilwi aufgenommen. Von dort wird auch eine theologische Ausbildung auf dem Korrespondenzweg organisiert, mit der in verschiedenen Studiengängen Laien in den abgelegenen Dörfern für die Mitarbeit in den Gemeinden geschult werden. Die Organisation IDSIM führt soziale und diakonische Projekte innerhalb der Iglesia Morava durch und hat mit Hilfe von Spendengeldern den Wiederaufbau nach den Hurrikanen Mitch (1998) und Michelle (2001) vorangetrieben.
Nicaragua: Überschwemmungen durch Hurricane Beta Als Hurricane Beta am 30. Oktober 2005 auf die Atlantikküste Nicaraguas traf, richteten vor allem die riesigen Regenmengen große Schäden an. Bis weit ins Landesinnere wurden Zehntausende Hektar Wald, Felder und ganze Dörfer überschwemmt. Es gab kaum Trinkwasser. Die Infrastruktur mit Wegen, Booten und Anlegestellen wurde weitgehend zerstört. Die Zentralregierung in Managua gewährte nur minimale Hilfe. Aber die nicht direkt betroffenen Gemeinden spendeten Lebensmittel, Trinkwasser und Decken, verteilt von der Kirchenleitung der Brüdergemeine, und die kirchliche Hilfsorganisation ADSIM sorgte für Medikamente und Zelte. Die Herrnhuter Missionshilfe und auch die niederländische Zeister Zendingsgenootschap haben größere Beträge überwiesen. Lebensmittelhilfe wird bis zur nächsten Ernte nötig sein, und der Wiederaufbau wird sich, unterstützt durch ADSIM, noch über eine lange Zeit hinziehen.
Nähere Informationen zum Land Nicaragua und zur dortigen Arbeit der Brüdergemeine finden Sie unter diesem Link
Wer immer kann, ist um Mithilfe gebeten! Konto 0 4151 03, EKK Stuttgart (BLZ 600 606 06), Stichwort Notfonds
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