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Surinam - ein Mikrokosmos

Wer das globale Dorf sucht, der ist in Surinam richtig. Es gibt nur wenige Länder auf der Welt, die eine so große Vielfalt der Völker und Nationen, der Sprachen und Kulturen, der Farben, Formen und Düfte aufweisen wie dieses kleine Land im Norden von Südamerika. Selten ist dieses Land in den Schlagzeilen, weshalb die meisten Menschen es überhaupt nicht kennen. Trotz der unterschiedlichen Herkunft und Prägung seiner Bevölkerung konnte Surinam in der Vergangenheit fast alle Konflikte friedlich lösen, was durch die »Flagge der Unabhängigkeit« (im Gebrauch bis 1975) in schöner Weise ausgedrückt wird.

Alleinstellungsmerkmale

Innerhalb der weltweiten Brüder-Unität besitzt die Provinz Surinam einige Alleinstellungsmerkmale. Nirgendwohin wurden binnen zweier Jahrhunderte so viele Mitarbeitende geschickt wie nach Surinam. Nirgendwo hat die Mission so viele Opfer gekostet wie in Surinam; in den ersten Jahren starben wegen der schwierigen klimatischen Bedingungen 71 überwiegend junge Männer und Frauen sowie 15 Kinder. Nirgendwo auf der Welt hat die Brüdergemeine einen so starken volkskirchlichen Charakter wie in Surinam. In allen Landesteilen, Volksgruppen und sozialen Schichten ist sie tief verwurzelt. Nirgendwo sonst gibt es einen brüde-
rischen Konzern, die auf die Missionszeit zurückgehende Firma »C. Kersten & Co«, deren Erträge die »Moravian Church Foundation« (Stiftung der weltweiten Brüder-Unität) maßgeblich speisen. Durch keine andere Provinz ist die Arbeit im heimatlichen Europa so stark geprägt worden wie durch die Provinz Surinam. Bedingt durch Einwanderung in die Niederlande hat die Mehrheit der Mitglieder der Europäisch-Festländischen Brüder-Unität heute einen surinamischen Hintergrund.

Unitätsprovinz seit 1963

Im Jahre 1963 entstand in Surinam aus einem vormaligen Missionsgebiet eine selbständige Unitätsprovinz, die mit Westindien-Ost, Jamaica, Nicaragua, Honduras und Costa Rica in der Karibischen Regionalkonferenz zusammen-
arbeitet. Die Kirchenleitung mit einem Präses an der Spitze hat ihren Sitz in Paramaribo. Die Provinz zählte 2011 etwa 45.000 Mitglieder in 62 Gemeinden zzgl. einiger Außenstationen. In der Provinz sind 27 ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer tätig, die meisten in einem fortgeschrittenen Alter. Darüber hinaus dienen in den Gemeinden mehr als 20 Laien. Im schmalen Küstenstreifen und im weiten Binnenland existieren 15 unterschiedlich große Gemeindebezirke.

Die erste Ordination eines einheimischen Pfarrers fand bereits 1902 statt, die erste Einsegnung eines einheimischen Bischofs 1962. Zur Ausbildung ihres theologischen Nachwuchses sowie zur Fortbildung anderer Mitarbeitender unterhält die Provinz Surinam in Paramaribo ein eigenes Theologisches Seminar, das 1930 seinen Anfang nahm und in jetziger Form seit 1976 besteht. Zur Unitätsprovinz Surinam gehören neben dem Territorium des gleichnamigen Staates auf dem amerikanischen Festland auch die Antilleninseln Aruba, Curaçao und St. Maarten.

Missionarische Aktivitäten

Wie die meisten Unitätsprovinzen ist auch die Provinz Surinam missionarisch aktiv. Ende der 1980iger Jahre begann sie mit einer Arbeit im Nachbarland Französisch Guyana. War diese Arbeit zunächst fast ausschließlich eine Sammlungsarbeit unter Bürgerkriegsflüchtlingen, so kommt es seit 2006 zum Gemeindeaufbau, der in St. Laurent auch schon zu einer förmlichen Gemeindegründung geführt hat. Daneben wird im Binnenland in ökumenischer Gemeinschaft mit anderen Kirchen eine Arbeit unter Bauxitminenarbeitern getan.

Frühe Missionsgeschichte

Surinam, damals niederländische Kolonie, ist das dritte Land, in das Herrnhuter Missionare kamen. Förmliche Mission war anfangs nicht erlaubt, so wollte man bei der Kolonistenarbeit sehen, ob unter den »Wilden« (Indianer) und »Mohren« (aus Afrika importierte Sklaven) »jemand für den Heiland zu gewinnen sei«. Nach zwei vergeblichen Versuchen (1735 + 1738) gelang erst in der Folgezeit eine dauerhafte Ansiedlung in Paramaribo sowie auf der Plantage »Altona«, später auf anderen Plantagen. Als Seitenzweig der Arbeit in Surinam blühte im benachbarten Berbice für ein Vierteljahrhundert die Gemeinde Pilgerhut, in der 386 Arawakken die Taufe empfingen.

Weil die Missionare ihren Lebensunterhalt selbst verdienen mussten, kam es in Surinam zu einem förderlichen Miteinander von Handel und Gewerbe einerseits und Verkündigung andererseits. Indem die Missionare auf den Plantagen Landwirtschaft oder ein Gewerbe betrieben, leisteten sie für die Ansässigen ein wichtiges Stück Ausbildungs- und Entwicklungshilfe. Der sprachkundige Theologe Theophil Salomo Schumann verfasste eine arawakkische Grammatik und ein Wörterbuch. Eine andere wichtige Person am Anfang war der Schneider Ludwig Christoph Dehne. Rückschläge gab es immer wieder durch den Tod von Missionaren, ihren Ehefrauen und Kindern, die dem tropischen Klima sowie der schweren körperlichen Arbeit nicht gewachsen waren.

Mit fortschreitender Kolonialisierung gerieten die einheimischen »Indianer« zwischen alle Fronten und wurden letztlich vertrieben oder ermordet, weshalb die Missionare sich ihnen nicht länger zuwenden konnten. Stattdessen galt ihre Aufmerksamkeit den »Kreolen«, den schwarzen Stadt- und Plantagensklaven sowie den in den Urwald geflüchteten »Buschnegern«, heute »Maroons« genannt. 300 Kilometer tief im Urwald kam es 1765 zur Taufe des Häuptlingssohns Arrabini, des ersten wichtigen einheimischen Mitarbeiters. Auch in Paramaribo blühte die Arbeit auf. Endlich gab es an der Küste und auf den Plantagen entlang der großen Urwaldströme wirtschaftliche und missionarische Erfolge, die nicht zuletzt dem Wirken des tüchtigen Christoph Kersten zuzuschreiben waren, der 1768 die bis in die Gegenwart höchst erfolgreiche Firma »C. Kersten & Co« gründete. 1778 wurde in Paramaribo ein erstes, hölzernes Kirchlein gebaut. 1790 konstituierte sich eine erste selbständige Gebietsleitung, die so genannte »Helferkonferenz«. Um 1800 dienten 21 Missionare auf vier Stationen etwa 600 Gemeindegliedern. Die weißen Plantagenbesitzer standen der Missionsarbeit jedoch fast immer kritisch gegenüber.

Altes der Brüdergemeine gehörendes "Kaufhaus Kersten" im Zentrum von Paramaribo. Hier gab es alles, was das Herz begehrte.

Offizielle Website

Die Unitätsprovinz Surinam hat seit kurzem eine offizielle Website in niederländischer Sprache: http://www.moravianchurch.sr/index.php/en-us/