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Nikaragua - Land und Leute

Nikaragua liegt in der tropischen Klimazone und ist das größte Land Mittelamerikas, so groß wie die fünf neuen Bundesländer zusammen. Es errang seine staatliche Unabhängigkeit bereits 1821 und hat 5,5 Millionen Einwohner; fast ein Viertel davon lebt in der Hauptstadt Managua. Die Bevölkerung setzt sich wie folgt zusammen: 75% Mestizen, 10% Kreolen, 10% Europäer und 5% Indigene (»Indianer«). Die derzeitige Verfassung beschreibt Nikaragua als zentralistische Republik mit einer starken Stellung des Präsidenten. Die meisten Einwohner sprechen Spanisch; eine Minderheit spricht Karibik-Englisch (Kreolisch) oder eine indigene Sprache. Offiziell gehören 80% der Einwohner zur Katholischen Kirche. Nikaragua gilt nach Haïti als das zweitärmste Land Lateinamerikas: 80% der Einwohner verfügen pro Tag über weniger als zwei US-Dollar, 45% über weniger als einen US-Dollar. Die Arbeitslosigkeit liegt bei durchschnittlich 50%. Die meisten Arbeitsplätze gibt es in der Land- und Fischereiwirtschaft. Industrie und Tourismus sind nur schwach ausgeprägt.

Geschichte und Kultur

Nikaragua ist hinsichtlich seiner Geographie, Geschichte und Kultur deutlich zweigeteilt, was sich auch in einer politisch-ökonomischen Zweiteilung spiegelt. Neben 15 Departementos im fruchtbaren, spanisch geprägten und relativ gut entwickelten Westen gibt es die beiden großen autonomen Gebiete »Atlantik Nord« und »Atlantik Süd« im unterentwickelten Osten, in dem vorwiegend indigene Völker und Kreolen leben und der großenteils von tropischem Regenwald bedeckt ist. Während im Westen die indigenen Traditionen durch die spanischen Eroberer fast vollständig zerstört wurden, haben im Osten die Indigenen ein beträchtliches Stück ihrer Eigenart und Souveränität zunächst gegen die Spanier, später gegen die Seeräuber, die Engländer und die Sandinisten bewahrt. So ist es zu erklären, dass an der Ostküste heute etwa 80.000 Miskitos wohnen, das größte noch lebende »Indianer«-Volk der Welt. Indigene Minderheiten sind die Mayangnas (Sumos), die Ramas und die Ulvas. Das Siedlungsgebiet der Miskitos reicht im Nordosten weit nach Honduras hinein. Es fällt den Miskitos schwer, die Grenze zwischen Nikaragua und Honduras - den Rio Coco - als eine solche zu akzeptieren, was gelegentlich zu politischen Spannungen führt. Bis heute gibt es auf dem Landwege kaum eine Verbindung zwischen Ost- und Westnikaragua.

Brüdergemeine

Die Brüdergemeine hat von Anfang an fast ausschließlich an der Atlantikküste von Nikaragua gearbeitet und damit viel zur Selbstbehauptung der dortigen indigenen Völker beigetragen. Sitz der Kirchenleitung für etwa 85.000 Mitglieder in 200 Gemeinden ist Puerto Cabezas, von den Einheimischen Bilwi genannt. Die nikaraguanische Atlantikküste gehört zu den ganz wenigen Gebieten auf der Welt, wo die Brüdergemeine nicht Minderheiten-, sondern Volkskirche ist. Zur Katholischen Kirche zählen dort nur etwa 15% der Menschen. Außer in Tansania gibt es in keinem Land der Welt mehr Mitglieder der Brüdergemeine als in Nikaragua. Im Verband der weltweiten Brüder-Unität arbeitet die Provinz Nikaragua mit sechs anderen Provinzen in der Karibischen Regionalkonferenz zusammen. An der Spitze der Kirchenleitung steht mit der Miskita Cora Antonio zum zweiten Male seit 2007 eine Frau. Partnerschaftlich verbunden ist die Provinz Nikaragua vor allem mit den beiden nordamerikanischen Unitätsprovinzen bzw. mit deren »Board of World Mission«. In den letzten Jahren verzeichnete die Brüdergemeine in Nikaragua ein stetiges leichtes Wachstum ihrer Mitgliederzahlen.

Missionsgeschichte

Der Beginn der Missionsarbeit in Nikaragua ist mit einem generellen Neubeginn der Missionsarbeit der Brüdergemeine fast 90 Jahre nach dem Tod des Grafen Zinzendorf verbunden. Nachdem der Tischler Friedrich Post 1760/61 die Miskitoküste im Alleingang erreichte, dort aber nur wenig auszurichten vermochte, dauerte es bis 1849, ehe der Schuhmacher Heinrich Gottlob Pfeiffer, der Bäcker Johannes Eugen Lundberg sowie der Zimmermann Ernst Gottfried Georg Kandler in Bluefields landeten. Sofort begannen sie mit der Verkündigung, aber auch mit Schulunterricht und mit wirtschaftlichen Aktivitäten. Binnen Jahresfrist entstand die erste Gemeinde. Bis 1880 wurden entlang der Atlantikküste mehrere kleine Stationen unter Kreolen, Miskitos und Ramas gegründet, die zusammen 1.200 Mitglieder zählten. Schon damals richteten Hurrikans immer wieder verheerende Schäden an. In den 1880iger Jahren kam es von Süd nach Nord zu einer gewaltigen Erweckung, in deren Folge sich die Gemeindezahl auf 14 und die Mitgliederzahl auf 4.000 erhöhte. Zu einem Dutzend ausländischer Missionare traten bald 380 einheimische Helfer, so dass die Arbeit beständig wuchs. 1938 ist bereits von 90 Gemeinden und 16.000 Mitgliedern die Rede. 1900 wurde mit Benjamin Garth der erste Kreole und 1933 mit Dannery Downs der erste Miskito zu einem Pfarrer ordiniert. 1936 baute man in Bilwaskarma das erste Hospital. 1962 war Headley Wilson der erste einheimische Bischof. 1958 entstand auch im fernen Managua eine Brüdergemeine. Als 1967 durch Beschluss der Unitätssynode die selbständige Unitätsprovinz Nikaragua entstand, gab es an der Atlantikküste sowie im angrenzenden Hinterland in jeder Stadt und in nahezu jedem Dorf mindestens eine Brüdergemeine. Zu vielen von ihnen gehörten eine Schule, eine wirtschaftliche Unternehmung sowie ein Gesundheitsposten.

Kirchenleitung

Die Unitätsprovinz Nikaragua hat eine fünfköpfige Kirchenleitung, deren Mitglieder aus je einem Distrikt kommen: dem Distrikt »Central« (rund um die Regional-Hauptstadt Bilwi), dem Distrikt »Rio Coco« (nördliche Atlantikküste und Grenze zu Honduras), dem Distrikt »Las Minas« (Minengebiet im Landesinneren), dem Distrikt »Sur« (südliche Atlantikküste rings um Bluefields) und dem Distrikt »Occidente« (Landeshauptstadt Managua sowie alle Gemeinden außerhalb der Atlantikküsten-Region). Damit ist gewährleistet, dass alle indigenen Völker angemessen an der Kirchenleitung beteiligt sind. Im Verwaltungsgebäude der Kirchenleitung arbeiten 20 Mitarbeitende und unterstützen mit ihrem Dienst die 70 ordinierten Pfarrer, darunter drei Frauen, sowie die etwa 175 Ruhestands- und Laienprediger. Die Einnahmen der Kirche reichen nicht aus, um alle Mitarbeitenden mit einem zureichenden Gehalt zu versorgen. Viele Pfarrer sind auf einen Zuverdienst angewiesen.

ADSIM - das Sozialwerk der Brüdergemeine

»Asociación para el Desarrollo Social de la Iglesia Morava«, ADSIM, so heißt das Sozialwerk der Brüdergemeine in Nikaragua mit Sitz in Bilwi. Die Organisation hat zwölf hauptamtliche und viele ehrenamtliche Mitarbeitende in vielen Landesteilen. Sie wurde 1974 gegründet (damaliger Name CASIM, später IDSIM) und stellt den Versuch dar, seitens der Kirche mit entwicklungspolitischen Instrumenten auf die neuen Herausforderungen zu reagieren. Zwar verlor ADSIM durch den Bürgerkrieg viel an Bedeutung, doch ist es sein historisches Verdienst, an der Atlantikküste ein neues Autonomiebestreben angestoßen zu haben. Weil ADSIM eng mit der Brüdergemeine zusammenarbeitet und großes Vertrauen bei der Bevölkerung genießt, kann die Organisation rasch und wirksam helfen. Derzeit kümmert ADSIM sich um den Wiederaufbau nach dem Hurrikan »Felix«, um die Wasseraufberei-
tung, um die Gesundheitsversorgung sowie um die Entwicklung der Landwirtschaft. Auch Einsatzplätze für jugendliche Freiwillige stellt ADSIM zur Verfügung.

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