Informationen zur Brüdergemeine in Malawi


Das kleine afrikanische Binnenland Malawi steht im Schatten seiner großen Nachbarn Tansania und Mozambique. Seit der Jahrtausendwende sind tansanische Missionare dabei, Menschen in Malawi zu sammeln, die die Herrnhuter Brüdergemeine bei einem Aufenthalt in Tansania kennengelernt haben. So entstand eine neue Missionsprovinz der Brüder-Unität. Immer wieder wird Malawi von Naturkatastrophen heimgesucht. Für viele Familien bedeutet das, einen harten (Über)Lebenskampf zu führen.

Das Land

Malawi gehört zu den kleinen Ländern Afrikas. Mit 120.000 km2 hat es etwa die Größe der neuen Bundesländer. Der langgestreckte Malawisee (früher Nyassasee) prägt das Land. Fast überall ist das Seeufer nicht weit entfernt. Malawi liegt im Großen Afrikanischen Grabenbruch, der sich vom Roten Meer über die großen Seen wie den Tanganjikasee bis in das südliche Afrikas erstreckt. Malawi gleicht einem langen Tal mit einem See, das auf zwei Seiten von Bergketten umgeben ist. Durch den See und die damit vorhandenen Transportmöglichkeiten sowie durch genügend Wasser für die Landwirtschaft ist Malawi relativ dicht besiedelt (120 Einwohner/km2). Den Süden des Landes umschließt Mosambik. Im Nordosten grenzt Tansania an den Malawisee und an das Land selbst. Im Westen liegt Sambia. Die Hauptstadt Lilongwe befindet sich recht zentral, so dass man bis zur Nord- und zur Südgrenze jeweils etwa 500 km zurücklegen muss. Die größte West-Ost-Ausdehnung beträgt etwa 300 km.

Schlechte Infrastruktur

Weil Malawi ein Binnenland ist, muss alles, was nicht im Lande selbst produziert wird, vom nächsten Hafen mit LKW über Land herbeigeschafft werden. Der nächste Hafen liegt über 1.000 km entfernt und die Straßen sind meist schlecht. Es gibt zwar eine gut ausgebaute, geteerte Straße von der Nordgrenze zu Tansania über die Hauptstadt Lilongwe bis zur südlichen Metropole Blantyre. Aber abseits dieser Hauptstraße finden sich nur unbefestigte Wege mit Schlaglöchern und Steinen. Europäische Fahrzeuge können hier nur bedingt genutzt werden. Hilfreich sind allradangetriebene Fahrzeuge. Wenn es regnet, verwandeln sich die Wege in schlüpfrige Pisten mit unberechenbaren Wasserlöchern. Zu vielen Dörfern führen nur Fuß- und Radwege.

Ärmliche Lebensbedingungen

In den Dörfern lebt man sehr einfach. Eine Hütte aus gebrannten Ziegeln, die mit getrocknetem Schlamm zusammengehalten werden, und einem Grasdach dient zum Schlafen und Aufbewahren der Vorräte. Etwas abseits befindet sich ein Plumpsklo. Um die Hütte herum leben die Haustiere: Hühner, Schweine und Ziegen. In der Nähe der Hütte liegen die Felder, auf denen Mais, Kasawa und Gemüse angebaut werden. Häufig besitzen die Menschen noch ein paar Obstbäume, z. B. Mangobäume. Wenn es nicht zu trocken ist, können die Menschen in den Dörfern sich selbst ernähren. Überschüsse werden auf dem lokalen Markt verkauft, wenn auch zu einem geringen Preis. An Geld zu kommen, ist immer ein Problem. Geld wird benötigt für Medizin, Schule und Transport. Statt Geldwirtschaft herrscht auf dem Lande meist Naturalienwirtschaft.

Neben dem ärmlichen Leben auf dem Lande gibt es in Malawi auch ein urbanes Leben, das sich von ersterem deutlich unterscheidet. In den Städten findet man bessere Häuser, Elektrizität, moderne Kommunikationsmittel wie Telefon und Internet. Hier kann man auch einen Arbeitsplatz finden, der bezahlt wird. Insbesondere der Staat bietet in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Verwaltung zahlreiche Arbeitsplätze an. Wer eine gute Ausbildung hat, kann hier gutes Geld verdienen und sich ein komfortabel ausgestattetes Stadthaus leisten.

Blick in die Geschichte

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts galt Afrika als der schwarze Kontinent. Das hatte nicht allein etwas mit der Hautfarbe der Bevölkerung zu tun, sondern auch damit, dass Europäer den Kontinent kaum kannten. Zwar liefen Schiffe schon lange die Küstenstädte an, aber über das Hinterland wusste man wenig und daran gab es auch kaum ein europäisches Interesse. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsandten europäische Staaten immer wieder Expeditionen nach Afrika, um das Binnenland zu erforschen und um sich Einfluss zu sichern. In diesem Zusammenhang kam der Brite David Livingston 1859 an den Malawisee und stellte den Kontakt zwischen der lokalen Bevölkerung und den Europäern her. Einzelne Schutzverträge wurden abgeschlossen. Auf der Kongokonferenz in Berlin 1884/85, bei der fast der gesamte afrikanische Kontinent unter den Kolonialmächten aufteilt wurde, erhielten die Briten Malawi zugesprochen. 1891 wurde Malawi Teil des British Empire.

Nach dem zweiten Weltkrieg ging die Kolonialzeit allmählich zu Ende. Viele afrikanische Staaten wurden in den 1960er Jahren in die Unabhängigkeit entlassen, so 1964 auch Malawi. Die Startbedingungen der jungen Staaten waren in der Regel schlecht: Ihre Grenzen waren willkürlich festgelegt worden und entsprachen meist nicht den natürlichen Lebensbereichen der indigenen Völker, was häufig zu Kriegen führte, aber auch zu Bürgerkriegen innerhalb der Länder. Zudem besaßen die Menschen keine demokratischen Erfahrungen und es gab überall nur eine schwache Administration. In zahlreichen Ländern kam bald das Militär an die Macht oder es regierte ein Diktator. Das geschah auch in Malawi.

Zunächst begann unter der straffen Führung von Premierminister Hastings Kamuzu Banda ein wirtschaftlicher Aufschwung, der sich in geteerten Straßen und neuen Stromleitungen zeigte. Aber schon bald lähmten Korruption und Nepotismus die Wirtschaft und das Land verarmte zusehends. Nach den demokratischen Umbrüchen in Osteuropa, die auch Auswirkungen auf den afrikanischen Kontinent hatten, wurden 1994 in Malawi die ersten freien Wahlen abgehalten. Mit dem neuen Präsidenten Bakili Muluzi und einem formalen Mehrparteiensystem sollte alles besser werden. Allerdings wurde auch jetzt Korruption mit Korruption bekämpft. Zudem würgten die Globalisierung der Wirtschaft und die Staatsschulden jeglichen Fortschritt ab. Aus diesen Gründen herrscht heute in Malawi überwiegend eine gedrückte, pessimistische Stimmung.

Die Herrnhuter in Malawi

In Malawi gibt es, über das ganze Land verstreut, derzeit neun Brüdergemeinen. Sie gehören zu drei Distrikten: den Norddistrikt um den Hauptort Karonga (4 Gemeinden), den Zentraldistrikt (2 Gemeinden) und den Süddistrikt um die ehemalige Hauptstadt Blantyre (3 Gemeinden). Die Kirchenleitung hat ihren Sitz in Karonga.

Die Gemeinden werden von sechs ordinierten Pfarrern bedient, so dass momentan drei Gemeinden ohne Pfarrer auskommen müssen. Vier Pfarrer sind mit Unterstützung aus Deutschland zur Ausbildung in Tanzania. Sie können hoffentlich bald Gemeindeaufgaben übernehmen. Auch wenn derzeit alle Ordinierten männlich sind, gibt es doch keine Vorbehalte gegen die Frauenordination. Es werden Frauen gesucht, die Theologie studieren möchten.

Begonnen hat die Arbeit in Malawi von der tanzanischen Südprovinz aus. Aus wirtschaftlichen Gründen zogen Menschen von Südtansania nach Malawi um und teilweise auch umgekehrt. In Tansania lernten sie die Brüdergemeine kennen, in Malawi wurden sie Mitglieder der anglikanischen Kirche. Deshalb schickte die Südprovinz der Brüdergemeine noch vor dem Jahr 2.000 Missionare nach Malawi, um die eigenen Mitglieder zu sammeln und neue Gemeinden zu gründen. Nachdem die Arbeit zunächst im Süden angefangen hatte, begann man später auch im Norden in der Gegend um Karonga und Chitipa, Gemeinden zu gründen.

Seit 2009 versucht die Brüdergemeine in Malawi, selbstständig zu werden, was bei nur 3.200 zumeist armen Mitgliedern nicht einfach ist. Die Pfarrer bekommen kaum ein Gehalt. Sie leben v. a. von Nahrungsspenden ihrer Gemeindeglieder. Auch die Pfarrer in der Kirchenleitung müssen nebenbei eine Gemeinde bedienen. Vieles trägt noch provisorischen Charakter. Ohne Hilfe von außen wäre diese Provinz nicht überlebensfähig.

Noch Baustelle!
Wird fortgesetz!