Samstag, 16. Mai 2015

Offener Brief von Desmond Tutu

Erzbischof i. R. Desmond Tutu

Desmont Tutu, Anti-Apartheids-Kämpfer, anglikanischer Erzbischof von Kapstadt im Ruhestand, Friedernsnobelpreisträger, Leiter der Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Umbruch in Südafrika, hat am 30. April 2015 einen Offenen Brief an die Christinnen und Christenin Deutschland und speziell an den Deutschen Evangelischen Kirchentag geschrieben. Direkt zugesandt wurde dieser Brief dem Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT), Prof. Dr. Andreas Barnes, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, sowie dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Bischof Dr. Karl Heinz Wiesemann. Der Brief würdigt die Rolle des DEKT im Blick auf das Anstoßen wichtiger gesellschaftlicher Prozesse in Deutschland. Der DEKT habe in der Vergangenheit wiederholt dazu beigetragen, dass einzelne Chrsitinnen und Christen, aber auch Kirchen ihren politischen Auftrag erkennen und wahrnehmen. Heute seien die Christinnen und Christen weltweit dazu aufgerufen, etwas zu tun, damit dem palästinensischen Volk Gerechtigkeit widerfährt. Desmont Tutu schreibt u. a.: »Heute sind viele von uns besorgt über den Konflikt im Heiligen Land, dessen Wurzeln zurückzuverfolgen sind bis zum Zweiten Weltkrieg, der zu einer nie zuvor gekannten globalen Unsicherheit beitrug. Natürlich verurteilen wir diejenigen, die von Palästina aus Raketen auf zivile Ziele in Israel abfeuern, aber Israels militärischer Angriff auf Gaza im letzten Jahr war nicht nur auf grausame Weise unverhältnismäßig, sondern auch eine brutale Demonstration der Verachtung, die Israel gegenüber dem palästinensischen Volk an den Tag legt ... Als Christen haben wir die Pflicht, an der Seite der Unterdrückten, der Geknechteten, der Armen, der mit Vorurteilen Belasteten und ungerecht Behandelten zu stehen – IMMER. Neutralität darf keine Option sein, denn sie begünstigt immer die Unterdrücker. Immer ... Bitte sagt eurer Regierung, dass besorgte Worte allein nicht genügen. Sie ändern überhaupt nichts. Die angemessene Antwort für die Bekämpfung der Ungerechtigkeit sind reale Schritte, um ihr zu begegnen und sie zu überwinden. Richard von Weizsäcker, ehemaliger deutscher Bundespräsident und Präsident des Kirchentages, schloss sich in einem Brief an die EU, der von vielen älteren Staatsmännern Europas unterschrieben wurde, diesen Forderungen an. Hütet euch vor Antisemitismus und allen anderen Formen von Rassismus, aber hütet euch genauso davor, zum Schweigen gebracht zu werden von jenen, die euch wegen der Kritik an der unterdrückerischen Politik Israels als Antisemiten abstempeln wollen ... Bitte schließt euch der ökumenischen Kairos-Bewegung an und fordert öffentlich und solidarisch Freiheit für Palästina, damit auch Israel frei sein kann.« Der gesamte Brief kann hier gelesen werden. Pressemeldung hier.