Dienstag, 16. Dezember 2014

Faires Pilgern im Heiligen Land

Titelseite der Pilger-Broschüre

»Brot für die Welt« (BfdW) hat am 11. Dezember 2014 in Berlin eine Broschüre mit Tipps zum Pilgern im Heiligen Land herausgegeben. Die Organisation wünscht sich mehr fair gestaltete Reisen in den Vorderen Orient unter Berücksichtigung des Völkerrechts. In der Broschüre werden Pilgerreisende sowie Touristinnen und Touristen dazu ermutigt, Israel und die Palästinensischen Autonomiegebiete als ein zusammenhängendes Reiseziel zu betrachten und Begegnungen auf beiden Seiten der »Green Line« wahrzunehmen. Ob Maria und Josef vor gut 2000 Jahren wohl den Weg nach Bethlehem gefunden hätten, wenn es damals bereits um die 90 Checkpoints in der Region gegeben hätte? Eine Einschätzung dazu fällt vielen Reisenden, die heute das Heilige Land besuchen, schwer. Für sie stellt die Mauer, die den Menschen im Westjordanland und im Gazastreifen das Leben schwer und bisweilen unmöglich macht, kaum ein Hindernis dar. Umso wichtiger ist es deshalb auch beim Reisen, direkte Begegnung mit den Menschen in Israel und Palästina zu suchen und so Informationen aus erster Hand zu erhalten. Der Tourismus kann zum Hoffnungsschimmer für eine Region werden, die in den letzten Monaten kaum positive Schlagzeilen gemacht hat. »Der politische Konflikt heute wird angeheizt durch Perspektivlosigkeit und Sprachlosigkeit zwischen den Menschen auf beiden Seiten. Ein Tourismus, der gleichberechtigte Teilhabe und Begegnung ermöglicht, kann den Dialog befördern und Vorurteile abbauen«, sagt Antje Monshausen, Tourismusreferentin bei BfdW. Die Arbeitsstelle »Tourism Watch« hat deshalb eine Broschüre für faires, begegnungsorientiertes Pilgern in Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten entwickelt. Darin werden wichtige Tipps, Kontaktadressen in Deutschland und vor Ort sowie Hintergrundinformationen zusammengetragen. Teil des Leitfadens ist eine illustrierte Faltkarte, die den genauen Verlauf der »Green Line« abbildet. Sie zeigt damit eindeutig, auf welcher Seite der Grenze zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten sich bedeutende Pilgerziele völkerrechtlich befinden. »Oft wissen Reisende und Pilger nicht, ob sie sich auf palästinensischer oder israelischer Seite befinden. Internetinformationen und auch die Angaben vieler Reiseveranstalter hierüber sind leider oft falsch, nicht eindeutig oder sie fehlen ganz«, so Monshausen. Mit der Broschüre »Kommt und Seht! Reisen und Pilgern im Heiligen Land« nimmt BfdW die Bitte palästinensischer Christinnen und Christen auf, die zu einer »Pilgerfahrt der Veränderung« einladen und die Vision einer Gesellschaft aufzeigen, die auf Liebe, Vertrauen und Gerechtigkeit gründet. Religion hat eine verbindende Kraft, die sich nicht durch den politischen Konflikt instrumentalisieren lassen darf. Der Leitfaden kann kostenfrei im Shop von BfdW bestellt werden (siehe hier); er steht aber auch als Download bereit (siehe hier).
Ein interessantes Pilgerziel und ein Ort zum angenehmen Übernachten in neuen Gästezimmern sowohl für Einzelne als auch für Gruppen ist das Förderzentrum der weltweiten Brüder-Unität auf dem Sternberg bei Ramallah, nur eine knappe Stunde entfernt von Jerusalem. Eine Legende besagt, der Sternberg sei der Ort, an dem sich das Geschehen 1. Mose 15, 5 zugetragen habe.